Die Gita spielt im Feld der Kurukshetra. Arjuna, der Königssohn und Krieger hat sich seine innere Niederlage eingestanden. Er sucht bei Śrī Kṛṣṇa Zuflucht und bittet ihn um Hilfe. Dhṛtarāṣṭraḥ, der blinde König verfolgt aus der Ferne das Geschehen und der Diener Sañjaya berichtet, was gerade geschieht.
1 Dhṛtarāṣṭraḥ (धृत: राष्ट्रः)
der blinde König. Die Bezeichnung blinder König bezieht sich hier weniger auf eine Behinderung als auf die innere Blindheit. Der Begriff Dhṛtarāṣṭraḥ setzt sich aus zwei Sanskritbegriffen zusammen. Dhṛtam bedeutet so viel wie fest, stabil, starr und rāṣṭraḥ Position, Platz bzw. Stuhl. Dhṛtarāṣṭraḥ kann von der Königswürde nicht lassen, obwohl sie ihm nicht mehr zu steht. Er hält am Königsthron, an Macht, Befehlsgewalt, Reichtum und Besitztümern fest. Er hat sich abhängig gemacht. In sich empfindet er einen großen Mangel. Jetzt entwickelt er Verlangen, die er mit Gewalt durchsetzen möchte, um seinen inneren Mangel nicht zu spüren. Er ist ein „Ragi“- ein Abhängiger, ein Bessesener, ein Süchtiger. Er ist abhängig von Menschen und Beziehungen. Und von den Besitztümern dieser Welt.
Vielleicht kennst du das? Je mehr wir uns abhängig von der Welt machen, umso armseliger und mangelhafter fühlen wir uns. Dhṛtarāṣṭraḥ ist der typische „Samsari“, der typisch weltliche Mensch. Er verliert sich in der Welt. Das findet Ausdruck im „Mir und Mein- Syndrom“. Meine Leute, mein Haus, mein Besitz, meine Frau, meine Kinder, meine Enkelkinder, mein Bankonto, mein Geschäft, mein Job, meine Idee, … wie fühlt es sich an? Solche Aussagen sollten wir nicht oft machen. Und anfangen universell zu denken. Die Blindheit ist hier symbolisch. Er hat dein Zugang zur eigenen Erhabenheit, zu seiner Göttlichkeit, Fülle verloren. Von unserer Essenz sind wir „Könige“. Und bedingt durch die Unwissenheit halten wir uns für bedürftig und für Bettler.
Frage: bist du abhängig von Menschen, Beziehungen, Unternehmungen, deinem Job, deinem Ansehen? Hältst du an Sicherheiten fest? Kannst du die Dinge loslassen? Bist du innerlich frei? Wie bedürftig fühlst du dich? Spürst du einen inneren Mangel?
2 Śrī Kṛṣṇa
der Jagadguru; der Guru des Universums vertreibt die Unwissenheit. Er bringt Wahrheit und Einsicht in jedes Menschen Herzen. Unabhängig von Rasse, Kaste, Hautfarbe, Klasse, Geschlecht, Reichtum, Bildung, etc ist er für jeden Menschen verfügbar. Er weiss, dass er das Göttliche in sich trägt, beziehungsweise, dass er Gott von seiner Essenz her ist. Śrī Kṛṣṇa sagt dir, dass das bezeugende Bewusstsein | kṣetrajña niemand anderes als du bist. Er repräsentiert die Göttlichkeit, die in jedem – also auch in deinem Herzen ist. Jetzt und hier. Diese Göttlichkeit ist dein Wesen. Dein Wesen ist nicht Körper, nicht Geist, nicht der Intellekt. Nicht die Persona. Dein Wesen ist die Göttlichkeit, die ewig im eigenen Herzen erstrahlt. Du wirst weder geboren noch stirbst du. Du bist zeitlos und die Göttlichkeit leuchtet im Herzen. Werde ein Schüler dieser Göttlichkeit in deinem Herzen.
Frage: Siehst du die eigene Göttlichkeit in dir? In deinem Herzen? Kannst du dich an sie hingeben? Ihr dienen? Wie verfolgst du die tiefere Wahrheit, die dich führt?
3 Sañjaya: (samyak – gut; jayaha – geboren werden)-
Als Bote ist er so inspiriert von Bhagavan Śrī Kṛṣṇas Teaching. Er kann es sofort umsetzten. Das, was sich daraus gebiert, ist siegreich zum Guten. Es dient dem Leben. Es dient allen Menschen. Er ist im Flow, hingegeben, vertrauend, in das, was sich gerade ergibt. Die Gītā ist die Quelle deines Sieges. Die Gītā und nicht das Bankkonto. Nicht die Versicherung, die Beziehung, der Status, Macht, Power, die guten Connections, etc. Die Gītā ist siegreich? Sollten wir jetzt das Bankkonto, den Job, etc. aufgeben? Nein, behalte das Bankkonto, etc. Die Bank nimmt dir sowieso das Geld weg. Also behalte es. Die Gītā ist der Anker, mit dem wir leben. Das ist der Geist der Gītā.
Frage: Wie fließt du mit dem Leben? Wie fließt das Leben durch dich hindurch? Wie inspiriert bist du? Kannst du dich dem Leben anvertrauen? Bist du im Flow? So, dass es kein Ich mehr gibt?
4 Arjuna:
ist bereit zuzuhören und sich selbst zu erkunden. Er öffnet sich und hat sich von den Vorurteilen befreit. Du und ich, wir sind Arjunas. Mit diesem offenen Geist solltest wir die Gītā studieren. Hingegeben, aus dem Moment heraus schauend. Bereit, das Gehörte wie eine Handlungsanleitung am eigenen Leib zu überprüfen. Arjuna ist der, der die Wahrheit mit seinem Herzen in seinem Herzen sucht.
Frage: bist du bereit offen zuzuhören? Zu lauschen? Ohne Einwände, „ja, aber“, Widerstände? Wie offen und verfügbar bist du?