anahankara eva ca - in der Tat Abwesenheit von Stolz bzw. Eigensinn
anahankara
anahankara eva ca - in der Tat Abwesenheit von Stolz bzw. Eigensinn

BHAGAVAD GITA – Kap.13 Vers 7-9 – Werte (Values)

Anahankara:

Der Ahaṅkāra bezeichnet das Gefühl von „Ich“ und „mein“. Die Abwesenheit dieser Vorstellungen ist nur im Aufkommen von Wissen möglich. Da Anahaṅkāra hier als Wert präsentiert wird, kann es nicht die völlige Abwesenheit des Ahaṅkāra meinen, was erst nach Jnāna eintritt. Anahaṅkāra ist im begrenzten Sinne hier gebraucht und meint „Abwesenheit von Stolz“. Wodurch wird eine Person stolz? Äussere Schönheit oder Fertigkeiten, oder ein guter Verstand oder Besitztümer. Dich selbst in ihrem Schein zu präsentieren ist Stolz. Ein junger Mann, der sein Hemd offen trägt, um seine mit einem Goldkettchen verzierte breite Brust zu zeigen ist stolz. Die Brust hat er von seinem Vater geerbt und das Goldkettchen schenkte ihm seine Mutter. Seine einzige Leistung ist, daß er das Hemd nicht zugeknöpft hat. Du magst vielleicht stolz sein aufgrund von künstlerischer oder intelligenter Begabungen, die nur angeborene Gaben sind. Oder aufgrund von Wissen oder Fähigkeiten, die du dir angeeignet hast. Wenn du nichts findest, womit du dich rühmen kannst, dann kannst du vielleicht die Großartigkeit deiner Vorfahren hernehmen. All diese Arroganz entsteht aus dem Ignorieren der Tatsache, daß alles was ich habe, mir geschenkt wurde. Der Körper, der Verstand und die Sinne wurden mir gegeben, um die Potenziale zu entwickeln, die mir ebenfalls gegeben wurden. Von meiner Anlage her bin ich fähig Wissen zu erwerben, und mir wurden dafür die Fähigkeit zu denken und eine Welt voller Dinge zum kennenlernen gegeben. Was ich geleistet habe ist wirklich nichts. Sobald ich das verstehe, ist da das, was wir Abwesenheit von Stolz, Anahaṅkāra nennen.

Eine Person kann nur stolz sein, wenn sie zu wenig nachdenkt. Mit nur einem bisschen Verständnis bleibst du mit einem Gefühl von Verwunderung zurück, nicht mit Stolz. Du wirst dich fragen, wer dir all das gegeben hat. Ein einfacher Gläubiger wird sagen, das sei Gott. Diese Wertschätzung kann mit mehr Information versorgt werden, bis er schließlich versteht, was Gott ist. Ein Agnostiker wird sich einfach fragen, wer oder was all das gegeben hat, und wenn er wissen möchte, wer diese Person ist, verwandelt ihn diese Frage in einen Fragesteller, Jijnāsu. Wenn er von seinem kulturellen Background her weiß, daß die Shāstra Brahman als Ursache der Welt nennt, dann wird er zu einem Brahma-Jijnāsu. Die Richtung der Fragestellung hängt davon ab, wie informiert man schon ist. Wo ist dann der Ahaṅkāra? Es gibt hier nur Fragestellung mit einer forschend lernenden Person, einer handelnden Person, einer sich erfreuenden Person, sonst nichts. Stolz hat keinen Platz und so ist da Anahaṅkāra in der begrenzten Bedeutung. 

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