Shaucam - Sauberkeit innen und aussen
Shaucam - Sauberkeit innen und aussen
Shaucam - Sauberkeit innen und aussen

BHAGAVAD GITA – Kap.13 Vers 7-9 – Werte (Values)

Innere und äussere Shauca:

Shauca heißt innere und äußere Sauberkeit oder Reinheit. Äußere Sauberkeit beginnt mit der äußeren Umgebung; deiner Wohnung, deinem Körper, deiner Kleidung. Jeden Tag sammelt sich dort Schmutz an, und deshalb muß sie gereinigt werden. Alles was benützt wird, wird schmutzig. Sei es ein Auto, dein Körper, Kleidung oder Geschirr. Weil der Verstand auch dauernd benutzt wird, wird er auch schmutzig, ashauca. Aber während es einfach zu bewerkstelligen ist, den Körper usw. sauber zu halten, denn dafür hat man verschiedene Reinigungsmittel, wie ist es möglich, zu innerer Sauberkeit zu kommen?

 Laß uns zunächst einmal anschauen, was innere Ashauca ist. Allgemein gesagt ist es das, was du selbst oder andere nicht mögen: Ärger, Groll, Egoismus, Hass und so weiter. Der Verstand wird verschiedenen Erfahrungen ausgesetzt und sammelt dabei einige dieser Dinge an. Wie bekommt man ihn wieder sauber?

Innere Shauca bekommt man durch Gebet

Der eine Weg ist das Gebet. Jedes Gebet, das irgendwie bedeutsam für dich ist, und das mit der Absicht ausgedrückt wird, frei von all den Dingen zu werden, die Schmerz für dich selbst oder andere erzeugen wie Eifersucht, Unehrlichkeit, Minderwertigkeitsgefühl usw., ist reinigend. In Indien wiederholt man gemeinhin nach dem Baden, indem man drei kleine Schluck Wasser nimmt: Acyutāya namaḥ, Anantāya namaḥ, Govindāya namaḥ. Verehrung für Acyuta, den Herrn, der nie schwindet, der sich nie verändert; diesem ewigen Gott meine Verehrung. Verehrung dem Ananta, dem der kein Ende hat, der grenzenlos ist und der in der Form der gesamten Schöpfung erscheint. Woher wissen wir, daß er Acyuta und Ananta ist? Durch die Worte der Shāstra: Deshalb auch Verehrung dem, der durch Worte gewußt wird, Govinda. Ein anderes Gebet ist: Om bhūḥ om bhuvaḥ om suvaḥ om mahaḥ om janaḥ om tapaḥ om styam om tat savitur varenyam bhargo devasya dhimahi dhiyo yo naḥ pracodayāt. Während du dieses Gebet innerlich wiederholst, atmest du durch ein Nasenloch ein und durch das andere aus, in der Regel zehn Mal. Das nennt sich Prāṇāyāma. Es erzeugt eine gewisse Ruhe und Reinheit des Verstandes.

Pratipakṣa-bhāvanā

Eine andere Methode, um Eifersucht, Hass und verschiedene andere schmerzhafte Emotionen zu beseitigen ist es, deren Gegenteil ins Spiel zu bringen: Pratipakṣabhāvanā. Stell dir vor, du empfindest jemand gegenüber Hass und möchtest dich davon befreien. Dann kultivierst du willentlich Sympathie für ihn. Das Problem dabei ist: Wie kannst du jemand mögen, den du hasst? Versuche an der Person etwas zu finden, das du magst. Seine Nase? Seine Augen? Du wirst feststellen, daß es an ihm viele Dinge gibt, die du nicht hasst. Auch in Bezug auf sein Verhalten wirst du merken, daß es nur bestimmte Verhaltensweisen sind, die deinen Hass hervorrufen. Und wenn du einen Schritt weiter gehst, frage dich: Warum solltest du ein Verhalten hassen? Du kannst vielleicht sagen, daß es falsch ist und du nicht weißt, wie du damit umgehen kannst. Das heißt aber nicht, daß du es hassen mußt. Und noch weniger mußt du die Person hassen, die dieses Verhalten zeigt. Die Person ist nicht dieses bestimmte Verhalten. Wenn du etwas Verletzendes sagst, während du träumst oder in einem Delirium bist, dann ist es nicht fair, auf Grund dessen Schlußfolgerungen über dich anzustellen. Normalerweise kannst du fragen, ob eine Handlung angemessen war oder nicht; aber das geht nicht immer. Die Analyse deines Verhaltens kann zwar nützlich sein, aber meistens ist es eine Gemeinheit und führt nur zu herabsetzender Selbstkritik. Jeder hat mehr oder weniger kritische Gedanken über sich selbst. Wie damit umgehen? Bring zuerst das Gegenteil ins Spiel. Finde die Teile an dir, die du ohne Vorbehalte wertschätzen kannst. Sei nett zu dir selbst. Diese Art der Selbstkritik ist eine Gewohnheit, die in der Kindheit entwickelt wurde. Und wie jede Gewohnheit, besonders als eine Denkgewohnheit, ist sie kaum tot zu kriegen. Wir müssen lernen, wie wir liebevoll mit uns selbst umgehen, weil wir gelernt haben, selbstverletzend zu sein. Letzteres ist nicht hilfreich. Wie liebevoll du zu dir sein kannst, kannst du  sehr gut an der Reaktion sehen, wenn du deine Hand verletzt hast. Zunächst wird du vor Schmerz schreien, aber dann wirst du ganz zärtlich und fürsorglich mit deinen Fingern umgehen. Genauso muß dein Verstand mit deinen Denkmustern umgehen. Überkritisch zu sein ist schädlich für dein psychologisches Wohlbefinden; also ersetzt du das durch das Gegenteil. Weil Gewohnheiten nur schwer schwinden, muß ich verstehen, daß es eine Gewohnheit ist und darf mich nicht dafür verurteilen. Ich beginne einen Prozess, indem ich das Gegenteil einführe, um die Gewohnheit abzustellen. Es ist nicht leicht, muß aber gemacht werden. Das ist innere Sauberkeit.

Äußerliche Shauca

Über äußerliche Shauca haben wir bessere Kontrolle; sie ist wichtig, um überhaupt mit Sauberkeit anzufangen. Sobald die Umgebung in Ordnung ist, bringt es auch eine gewisse Ordnung ins Denken. Als Voraussetzung für innere Reinheit ist es essenziell, weil du kannst nicht im Chaos sitzen, wo alles unordentlich rumliegt, und meditieren oder beten. Gehst du zum Meditieren in die Garage? Da stört dich niemand, es ist ein ruhiger Ort, also warum nicht? Du weißt, es ist nicht geeignet für Meditation, weil es dort schmutzig ist und alles Mögliche rumliegt. Es ist nicht inspirierend dort. Obwohl du deine Augen schließt, sagt dir etwas, daß du in der Garage sitzt. Deine Nase sagt dir das. Der Staub sagt dir das. Deshalb ist äußere Sauberkeit so wichtig. Im sechsten Kapitel (der Bhagavad Gita) haben wir gesehen, daß für die Meditation der Körper an einen sauberen Ort gebracht werden muß. Das ist notwendig, wenn du schreiben, lesen oder meditieren willst. Der Ort sollte so sein, daß du beim Betreten ein bedächtiges Gefühl hast. Wenn die Dinge alle durcheinander sind, möchtest du am liebsten wieder rausgehen.

Also halte ich die physische Umgebung sauber, einschließlich meines Körpers, um zuträgliche Voraussetzungen zu schaffen für die innere Shauca, Sauberkeit des Antaḥ-karaṇa, des Instruments, das ich für Shravana (Zuhören beim Lernen) brauche. 

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